Vientiane (Im Wort)

Veröffentlicht auf von CY

Mit einem gleichgültigen Blick, der mich komischerweise an einen PC- Gamer auf Drogen erinnerte, zerknüllte er den Bericht, den ich vorher in einer stündigen Arbeit geschrieben habe, und warf es gegen die Wand... 

 

2.-10.12.2010

  

...Die Touristenpolizei wird uns also auch nicht gross helfen. Dafür DURFTE ich das Papier wegen der gestohlenen Kamera für mickrige 40 Franken!!! entgegennehmen. Als ich aus dem Gebäude trat, an welchem das ''Welcome in Vientiane'' Schild hing, wollte ich irgendetwas zerstören...

 

Vernünftig und langweilig, liess ich es beim Ameisen zertreten und Polizisten böse anschauen. Als die Strassenverkäuferin es nicht mehr lustig fand, sondern sich ernsthaft Sorgen anfing zu machen, hörte ich damit auf und ging wieder einmal zurück zur Immigrationspolizei.Oh, Sinking Princess wo bist du?

Dort angekommen probierte ich sie zu überzeugen, dass ich das ganze auf Papier will. Denn egal, was passierte, bis hierher war nichts offiziell oder schriftlich bearbeitet worden. Irgend jemand entschied irgendwann irgendwo über alles. Ich sah seinen Ausdruck im Gesicht und wartete nicht auf das ''NO'' sondern legte los: Ich schnetzelte sie verbal dahin mit einem bunten Mix aus Vorwürfen und Berichten. Von den korrupten Polizisten am Ufer des Mekong mitten in Vientiane, welche uns den Pass nach der Kontrolle nicht mehr bargeldlos zurückgeben wollten, bis zu den 8 Tagen in ihrem Büro ohne, dass sie ihr Arsch hochkriegten. Dass sie den Kommunismus zelebrieren, ohne jedoch kommunistisch zu sein oder sonst ein fähiges Staatsgebilde zu organisieren. Ich machte ihn dezent- direkt auf den offenen Hosenladen, die Schweinerei im Büro und auf die immer noch offenen Schlafmatratzen hinter seinem Chefstuhl aufmerksam. Auch warnte ich, dass Milliarden von Schweizern meinen Blog lesen und NIEMALS nach Laos kommen werden.

Gelegentlich holte er Luft. Dies machte mich erst recht noch schärfer ihn nicht einmal zu Wort kommen zu lassen. Schliesslich haben die Typen nun seit mehr als einer Woche uns ihre Unfähigkeit und Unprofessionalität bewiesen...

Als krönenden und eleganten Abschluss wählte ich ein dumpfes Lakon (Tschüss auf Lao) während ich postwendend die Türe hinter mir "zusplitterte".

 

 

Sie war mehr als ein altes, viel benutztes, Wrack. Oh Sinking Princess. Sie war ein Traum, eine Vision, ein Abenteuer. Das grösste Projekt nach mehr als 6 Monaten Reise. Das Leben auf dem Mekong und seinen Stränden war einfach zu gut. Vielleicht die besten Wochen meines Lebens. Völlig unabhängig, völlig frei.

 

Der Abschied fiel mir deshalb so schwer. Dass unsere Gruppe sich mit völlig anderen Plänen beschäftigt und vielleicht aufsplittet, war mir daraufhin als nächstes ein Dorn im Auge. Zusammen mit der gestolenen Fotokamera, den kaputten Flipflops, den verschwundenen Badehosen und der uninteressanten Stadt, wurde mir erst bewusst, wie glücklich ich in den letzten Monaten immer war.

 

 

Ich schaute zurück, auf all die Kontakte mit der erbärmlichen Polizei. Normalerweise kann man sich in einem ''offiziell-schon-aber-doch-nicht-wircklich'' funktionierenden Staat mit Schmiergeldern über Wasser halten. Aber zuviele Leute waren sofort involviert und zuviele Falang (weisse Ausländer) waren beteiligt. Der offizielle Weg ist unmöglich. In unserem Fall: Mord an der letzten grossen Reise der alten Nussschale.

Die ersten Tage in Vientiane waren noch voller Hoffnung... Wir werden wohl eine Lösung finden. Sagten alle. Wir hatten Termine. Viele. Vielerorts. Neun Uhr morgens sollen wir bereit sein. Wir waren da. Sie kamen drei Uhr Nachmittags.

Um drei Uhr dreissig ist Feierabend. Kommt morgen wieder.

Ein paar Tage später sollen wir zur Imigrationsstelle.

Dort warteten wir.

Und warteten.

Am TV im Büro lief Discovery Chanel.

Wir warteten. Ein Polizist geht Kafee machten.

Drei reiche Amerikaner gehen Haifische fischen.

Wir warteten.

Ein aufgebrachter Australier platzte herein, er machte ein grosses Theater. So um die 45 Jahre. Auf Drogen. Südostasien ist wohl doch kein Paradies und das Visa seit 50 Tagen ausgelaufen. Er wurde handgreiflich und wurde abgeführt.

Stille.

Warten.

Kein Hai biss an.

Plötzlich wurde Romuald (der Franzose) herausgepickt zum Interview mit einem anderen Polizisten.

Wir andern zwei warteten.

Nach zwei Stunden kam er zurück. Es ist 10.30 Uhr. Mittagspause. Kommt wieder um 14 Uhr.

Jeden Tag. Aber ohne australische Action.

Immer so weiter.

Ausser Sonntags. Dort erholen sich die Polizisten vom Alltagsstress.......

 

Als wir zum Hafen gingen und die "Sinking Princess" zum letzten Mal sehen wollten, war sie weg. Jemand an einem Telefon erklärte: Laos ist kommunistisch. Wir dürfen also gar nichts besitzen. Deshalb nahm sich der Staat nur zurück was ihm gehört, und wir dürfen verschwinden. Ausländer haben kein Recht auf Besitz hier. Die Polizisten stellten sich dumm auf weitere Fragen oder Lösungen. Sie verdienen wohl saftig am Verkauf des Bootes. Sie schmuntzelten sich gegenseitig zu. Ich wurde wütend. Zog mich zum Erstaunen der Kollegen fast nackt aus und warf ihnen vom Geld über den Pass bis zum stinkigen T-Shirt alles ins Gesicht. DA! Wenn euch alles gehört, NEHMTS DOCH!

-

Sie verstanden meine Sprache.

Sie verstanden auch unsere Gestik in Richtung Arsch.

Es wurde Zeit abzuhauen.

 

Ich sprang darauf hin ins Wasser um die 10 km in die Stadt zurück zu schwimmen. Dank Plastiksack und starker Strömung gelang mir das auch ziemlich flüssig. Auf dem ganzen Weg traf ich auf die liebsten und herzlichsten Laoten, denen ich je begegnet bin... Ironie...

 


 

Wie solls weiter gehen?

Zuerst trafen wir uns beim Belgier und schwärmten von der oh so tollen Prinzessin. Im Vergleich zum Bierlao war es teuer dort. Aber nach 10 Wochen wässrigem Snowbier in China war es mir das wert (Sorry Chinesen aber eure Küche ist besser als euer Bier...). Wir diskutierten, fanden aber nicht sofort eine Lösung.

In einen gewöhnlichen Bus steigen und weitergehen? Zusammengepfärcht in tropischer Hitze, staubige Strassen abholpern? Nein...

Ein neues Boot kaufen? Nur, um im gleichen Büro wie vorher zu landen? Nicht in Laos.Kein Geld verlieren in diesem Land. weg!

Hitchhaken? Schon oft gemacht. Zu oft.

 

Am nächsten Tag: wahrscheinlich ist die Idee des Amerikaners (Andy) die Beste Lösung. Ein Autostopp- Wettrennen entlang des Mekong in den Süden von Laos. Wir waren alle Feuer und Flamme.

Zuerst wollten Romuald und ich aber noch die restliche Ausrüstung, welche wir in einem Schuppen beim alten Polizeihafen sahen, zurückstehlen. Wir entschieden, taten und siegten. Verkauften was wir konnten und trafen uns beim Belgier für ein letztes Mal, bevor wir den Wettkampf am nächsten Tag starteten.

 

Persönlich: Alles Scheisse, aber die Leute wieder super...

 

Plan A: Go with the street.

 

 

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Auxilia 12/16/2010 23:17



Lieber Cyrill! Das ist ja wieder einmal spannend, was Du uns berichtest. Ich hoffe, dass Du bald ein Geschäft findest, in dem Du einen Fotoapparat kaufen kannst. Die Bilder fehlen wirklich. Für
die weitere Reise ein bisschen mehr Glück, als mit der "Sinking Princes" Alles Liebe Dein Mami