Akte Dreischluchtendamm

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(Lange habe ich nach dem Kommunismus im extrem kapitalistischen China gesucht. Gefunden habe ich ihn in der Aufführung des Propaganda- Theater des Dreischluchtenstaudammprojekts...

 

Für Daten und Reisebericht lese hier: Von Yichang nach Chongqing

 

Geschichte: Seit jeher ist der Yangtse im Mittelpunkt der Entwicklung von China. An seinen Ufern siedelten wichtige Städte seit der Antike. Später wurde er sehr wichtig für die Europäer, die das Recht erhielten auf ihm ins Innere von China für Handel vorzudringen. Dementsprechend viele Kirchen findet man selbst heute noch in Chongqing. In der Vergangenheit trat der Yangtse immer wieder über die Ufer. An seiner Küste leben bis zu 450 Millionen Menschen. Alleine in den letzten Jahren kamen dabei über eine Millionen Menschen bei Umweltkatastrophen ums Leben. Unglaubliches Leid auf einem wahnsinnig grossen Gebiet war die Folge. Die Kommunisten befassten sich vor rund 60 Jahren das erste Mal damit, den Fluss zu sperren. Mao interessierte sich unter anderem auch dafür und besuchte den heutigen Standort. Seit dieser Zeit wartete das Projekt auf seine Verwircklichung.

 

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(Fotto der Baustelle vor ein paar Jahren: Das Stauwerk gilt als vielleicht grösste Ingenieurleistung der Menschheit.)

 

Nutzen: Es werden gigantische Strommengen produziert, welche dem westlichen China wirtschaftlich extrem zu Nutzen kommt. Auch ist man dadurch fähig bei drohender Flut riesige Wassermassen zu speichern und damit Hundertausende wenn nicht Millionen von Menschenleben zu retten.

Während früher MENSCHEN!! die Schiffe von Hand das wilde Tal bis nach Chongqing hinaufzogen, gleicht dies heute mehr einem friedlichen See, welcher einfach beschiffbar ist. Der Warenverkehr hat darum eine Chance weiter auf dem Wasser und nicht auf Lastwagen von Shanghai bis ins Landesinnere transportiert zu werden.

Durch den Damm entstanden sehr viele neue Arbeitsplätze.

 

Kritik an der Kritik: Die Informationen die ich von den Medien in der Schweiz mitbekommen habe, waren sehr unausgewogen. Vielen macht es einfach Angst, dass dieses Land ohne Gesicht etwas so grosses verwircklichen kann. China hat 1.4 Milliarden Menschen. Der Damm wurde an einem Ort gebaut, wo möglichst wenig Fläche verloren geht. Praktisch wurde einfach eine grosse Schlucht überflutet. Die 1.5 Millionen Menschen die dabei verschoben wurden sind für chinesische Verhältnisse ein Klaks.

 

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(Alte Stadt und heutiger Maximalwasserstand.)  

 

Meine Kritik: Meine Hauptkritik gilt dem Grössenwahnsinn. Es war sehr ungeschickt EINEN grossen Damm zu bauen. Besser hätte man es wie die Österreicher an der Donau gemacht: Viele kleine Staudämme. Dadurch hätte man weniger Jahrhunderte alte Stätten zerstört. Man hätte weniger Leute vertreiben müssen. Das Wasser liesse sich viel besser und koordinierter kontrollieren. UND VORALLEM: Durch das an einem Ort grosse Massen Elektrizität gewonnen wird, muss dies über weite Distanzen transportiert werden. Dabei verliert man Unmengen an Energie. Bei vielen kleinen Werken könnte man dies besser verteilen.

Bei einem solch durchorganisierten Staat und einer solchen Kontrollmacht über jeden einzelnen, ist es nicht verwunderlich, dass Korruption nicht weit weg sein kann. Da man aber im Bus wie Taxi wie Zug die ganze Zeit von moderner und manchmal auch subtiler Propaganda umgeben ist, vertrauen viele Chinesen blind dem Staat. Wenig ist bekannt über Vertreibung und Ungerechtigkeiten. Aber wenn neue Städte für 1.5 Millionen Menschen gebaut wird, KANN nicht alles sauber ablaufen.

Ein Supergau wartet auf China: Der Damm hatte einige Mängel aufgewiesen. Vor seiner Eröffnung wurden Risse entdeckt und mussten geflickt werden. Offiziel hält das Stauwerk Erdbeben von 7.0 auf der Richterskala aus, wie zuverlässig diese Angaben sind, weiss ich nicht, auch weil der Damm sehr schnell gebaut worden war. Falls sich ein Erdbeben in dieser Region ereignet, werden die unstabilen Hänge des Stausees ins rutschen kommen. Zusammen mit dem Erdbeben ist ein Dammbruch möglich.

Falls dies passiert, wird eine grosse Fläche von Yichang bis Shanghai überflutet. Nur schon in den ersten Stunden würden mehere Millionen Menschen das Leben verlieren. Es ist also eine Frage der Zeit, bis sich in China die grösste Katastrophe der Menschheit ereignen wird. 2010 fand ein starkes Erdbeben in der Nähe in Sichuan statt. Hoffen wir es gibt kein weiteres.